Montag, 9. April 2012

Reisebericht Zündapp S500 Stoye Sport Gespann 1931

Reisebericht  Zündapp S500 Stoye Sport Gespann  1931

Die Vorstellung der 1931 neuesten Zündapp die auch die erste mit Viertaktmotor war begann gleich einem Paukenschlag mit der äußerst spektakulären Reise von Julius von Krohn und Oskar Weller die zum Ziel hatte 6800 Kilometer von Marokko bis zum Polarkreis zu fahren und diese Reise selbstverständlich werbewirksam zu vermarkten.
Julius von Krohn war für seine Langstreckenfahrten bekannt und als Zündapp Test und Rennfahrer zu dieser Zeit schon sehr bekannt.
Auf drängen von Johannes Mittenzwei der seinerzeit gerade frisch in die Zündapp Sportmannschaft aufgenommen wurde, bekam die S500 einen Stoye Sport Seitenwagen ebenfalls neuester Baureihe.
Julius von Krohn hatte schon mit dem Stoye Sport Seitenwagen der ersten Baureihe einige Erfolge eingefahren und war auch überzeugt von der Kombination Zündapp Stoye als Gespann.
Er war auch der jenige der die folgende langjährige Zusammenarbeit zwischen Zündapp und Stoye begründete und förderte.
Leider sind zu Julius von Krohn wenige Informationen greifbar die letzten Daten die wir haben sind aus dem Jahr 1939 danach ist nichts zu finden.
Wir suchen alle Informationen zu den Aktivitäten von Julius von Krohn sowie Fotos und Prospekte Zeitungsartikel in auf denen er abgebildet ist, weiterhin hat er die Vertretung von Zündapp in Berlin/ Brandenburg gehabt auch darüber suchen wir Unterlagen.
Wir würden gern ein Buch zu diesem Deutschen Rennfahrer zusammenstellen. 


Start in Berlin Richtung Marakech - Julius von Krohn/ Oskar Weller in 17 Tagen von Marakech zum Nordkap mit Zündapp S500 und Stoye Sport Seitenwagen Baureihe 1930-31.


Das Zündapp Prospekt mit der Reiseroute von Marokko zum Polarkreis 6800 Kilometer mit Stoye Zündapp Gespann. Auf der Rückseite mit Beschreibung der Reiseroute und der während der Fahrt auftretenden Probleme mit dem Zündapp Stoye Gespann. Auf Grund der schlechten Qualität des mir vorliegenden Prospekts habe ich den Text abgeschrieben um ihn hier veröffentlichen zu können. Ich habe das Prospekt von einem guten Zündapp Freund Leihweise übergeben bekommen leider in sehr schlechtem Zustand aber ich hoffe Ihr habt trotzdem Spaß dabei.
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Das war der Anfang...

Grauer Morgen, 29. Januar. Schnee rieselt in wässrigen Flocken. Wir sind Startfertig.
Die ersten 50 Kilometer.... 100....200....Regen in Sachsen... Schnee: München, Garmisch.
Hinter Mittenwald Schneewehen, einen halben Meter tief - im ersten Gang durch! Über den Schloßberg vor Seefeld (er ist nicht lang, aber er hat´s in sich!)
Und dann den Zirler Berg hinunter- seine 23 Prozent sind berühmt, da brauch man schon gute Bremsen!

Dann kam der verschneite Brennerpaß.

Wenn man aus Innsbruck heraus kommt, ist das zunächst nicht schlimm breite Straße, vom Schneepflug gesäubert. Das hört auf aber in Steinach, tausend Meter hoch, auf. Tiefer Neuschnee. Furchen- die Maschine stellt sich quer, will sich festfahren. Der Motor schleppt uns im ersten Gang durch, eine furchtbare Quälerei für die Maschine, aber es geht - drei Stunden hinter Innsbruck sind wir auf Paßhöhe!

Süden, mit und ohne Sonne.

Hinunter nach Südtirol. Zwischen Felswänden tobt die Elsch zu Tal. Bozen. Die Veroneser Klause. Die Landschaft wird südlicher heiter - Häuser sind Farbtupfen in der Gegend, rosa und blaßgrün und ockerfarben. Im Nebel durch Oberitalien. Von Mailand nach Genua, zur Sonnenküste. 
An der Rivera die ersten Palmen.
Die Straße hat Schlaglöcher, in denen ein Hund mittlerer Größe glatt verschwindet. Ventimiglia, Grenze- Papier wird geprüft und gestempelt. Monte Carlo, eine Lichtkette im Nachtdunkel, dahinter kommt Nizza.
Straße im Fels. Zur Linken blau leuchtendes Meer.
Grellweißes Gestein, Olivenbäume dazwischen und darüber ewige Sonne, bis nach Marseille.

Afrika!



Schwimmen kann auch eine Zündapp nicht- deshalb zu Schiff hinüber nach Marokko. In Casablanca holt ein Kran unsere IA-21 aus dem Schiffsbauch und setzt sie schön mit allen drei Rädern gleichzeitig auf den Kai.
Zollrevision, Paßkontrolle, tanken, fertig...

Braune Menschen in weiten Umhängen. Weiße Mauern. Schlanke Palmen und darüber ein blauklarer Himmel. Kamele in Herden, graziös- melancholisch dahintrottend.
Dörfer- Lehmmauern mit einer Tankstelle davor.
M a r a k e c h, ist eingehegt von die Hauptstadt des Südens von Marokko, ist eingehegt von einem Wald von Palmen!


Die alte Stadt, fremd und dumpf, ist Orient- Stimmen in unverständlicher Sprache, Gassen so eng, daßman mit den ausgestreckten Armen an Häuser stößt.
Schmutz in jedem Winkel.

Zum Himmel ragt ein scharfkantiger Turm, oben darauf ist ein... Galgen!

Start nach Norden

Marakech war erstes Ziel und Wendepunkt: Von nun an blickt des Scheinwerfers treues Auge nach Norden.
Kilometer fliegen vorbei , Casablanca kommt und verschwindet wieder, der Weg führt nach Tanger.
Zurück nach Europa. Nach Spanien hinüber. Tarifa- Europas Südkap. Berge, Sonne, Wind und das Meer, gedörrtes Gestein. Weißleuchtende Dörfer wie mit dem Boden gewachsen. Und Sevilla, die zärtlichste, schönste Stadt im ganzen Südland.

540 Kilometer von Sevilla nach Madrid- in einem Tag erledigt. Scharfe Steigungen, bis auf über tausend Meter Höhe. Lange Gefälle und dann wieder Steigungen. Oedes Land, eisiger Sturm fegt drüber. Dörfer sind selten. Noch seltener Tankstellen,(Und was sie verzapfen, ist ein grauenhafter Stoff.) Zwölf Stunden dauert die Fahrt über Berge und durch Schluchten, dann ist Madrid erreicht.

Weiter. Nach Norden.

Ueber die Sierra de Guadarrama. Den Ebro gekreuzt, bei Miranda Bahnübergänge, daß die Maschine setzt. Berge, Steigungen, hinauf und hinunter. In Regen, Hagel und Schnee durch die Pyrenäen.

Drei Tage in Frankreich.

Schnee hinter Bordeaux, in der Charente. Kahl und grau das Land. Dann wird es besser- 50 ist unser Stundentempo.
Morgens um 4 Uhr starten wir in Chartres, 90 Kilometer vor Paris. Um ½ 6 Uhr donnern wir durch Frankreichs Hauptstadt. Dahinter milchiger Nebel Frühstück aus Thermosflasche. Jede Stunde werden 53,55 Kilometer erledigt. Schnee auf den Höhen um Verdun. Gegen Nachmittag ist das Saargebiet erreicht - ein deutscher Beamter prüft die Papiere.  

Im Winter durch Deutschland.

Durch die Pfalz. Mit gut 95 Sachen über die Betonstraße Alzey nach Mainz, und 15 ½  Stunden hinter Chartres, nach 770 Kilometern, bettet die Besatzung von IA-21 in Fulda die müden Häupter zur Ruhe.
Wieder um 4 Uhr raus. Es scheint. Langsam durch Thüringens Berge. Eisenach, Erfurt, Weimar. Es will gar nicht Tag werden. Matsch im Saaletal. Merseburg, Halle, Wittenberg. Der Weg nimmt gar kein Ende. Treuenbrietzen..... die Gegend kommt uns bekannt vor..... Potsdam..... die AVUS..... .
Wir haben- so nebenbei- uns einen Platz in der besten Wertungsgruppe der 36- Stunden- Winterzielfahrt geholt 900 Kilometer Luftlinie!
Im Nebel durch Berlin getappt. Wenige Stunden später sind wir auf dem Fährschiff von Saßnitz nach Trälleborg, jetzt kommt Schweden - jetzt wird es Ernst!


Jetzt wissen wir, was Winter ist ...

Verreiste Straßen - mit 80, 90 drüber... Quer durch die Kurven, wie auf Dirt - Track!
Fünf Tage hinter Paris es können auch 2000 Kilometer sein, liegt ein einziger riesengroßer Wald. Prächtig ausgeschaufelte Straßen.
Aber Löcher in der Schneedecke und Furchen von Holzschlitten machen einen das Leben sauer. - Schweingende Einsamkeit. Straße zwischen Schneewällen. Tannen im weißen Rock. Hin und wieder ein Dorf - Holzhäuser, rotbraun gestrichen. Bei Härnösand sind wir über das Eis des Angermanelf gefahren, der ist dort, an der Mündung, fast zwei Kilometer breit.
Das Oel im Tank gefriert. Der Verschluss der Kamera versagt. Alle 100 Kilometer muß man absteigen - Kaffee trinken, Schuhe runter, Zehen reiben.
Der Weg nach Norden ist lang und beschwerlich.- Hudiksvall, Oernsköldsvick, Pitea, Aelvsbyn- alles kleine Städte, sind unsere Stationen.

Letzter Vorstoß-  zum Polarkreis

Wenn man fährt, dringt der eisige Wind schnell durch alle Mäntel. Das Fahren ermüdet - jeder Kilometer wird zur körperlichen Anstrengung.
Einmal, hinter Pitea, haben wir uns verfahren. Wir müssen quer übereinen zugefrohrenen See, am anderen Ufer über eine steile und verschneite Böschung hoch. Die Ueberraschung kommt aber erst: eine mindestens zwanzigprozentige Steigung - ungebahnt! Wie der Motor das geschafft hat, wissen wir selber nicht. Aber er hat´s geschafft!

Am Morgen des Starts zur letzten Etappe zeigt das Thermometer an der Hauswand in Aelvsbyn.. 34 Grad minus! Stundenlange Fahrt durch Wald. Hin und wieder ein Haus, oft bis zum Dach im Schnee vergraben.
Einsamkeit!
Und auf einmal, mitten im Wald, eine Tafel:

POLCIRKLEN- POLARKREIS!

Der Vorposten der Arktis.
Hier geht im Sommer die Sonne einen Tag lang nicht unter. Hier beginnt das Reich der Mitternachtssonne.
6800 Kilometer sind wir gefahren.... in 17 Tagen... seit Marokko - jetzt ist ein Ziel erreicht.
Noch fünf Kilometer bis zum Städtchen Jokkmokk. Das Abenteuer ist zu Ende.

Was der Motor leistete.

8500 Kilometer - für die Maschine waren sie eine barbarische Schinderei. Bergketten: Die Alpen, Sierra de Guadrarrama, die Pyrenäen, der verschneite Thüringer Wald.. Im Ersten Gang durch Schneewehen.
Tag um Tag auf der Landstraße- einmal 770 Kilometer zwischen Morgen und Abend, 540 an einem anderen Tag, und 400 Kilometer Tagesdurchschnitt auf den 6800 Kilometern zwischen Marakech und Jokkmokk....!
40 Grad Hitze in Afrika.
40 Grad Kälte in Lappland.
Furchtbarer Brennstoff in Spanien.
In Schweden Garagen mit Minus 10 Grad Innentemperatur, und trotzdem sprang am Morgen der Motor beim ersten Tritt auf den Kickstarter an!
Deutschland, Marokko, Lappland immer tat er seine Pflicht, für fünf ½ Liter Brennstoff auf 100 Kilometer und ein Liter Oel aufs Tausend. Und das Einzige, was auf dieser Fahrt zu“reparieren“ war, war: zweimal Kerzen reinigen (die auf langen Talfahrten verölt waren), einmal den Vergaser ausblasen und einmal Ventile nachstellen.

Es gibt Leute, die sagen, ein Kopfgesteuertem Viertakter sei eine Sportmaschine, ein Asphaltmotor. Für den Phyton-Motor stimmt das nicht. Sie dürfen schon glauben: wenn ein Motor 500 Kilogramm über (500 Kilometer von dieser Sorte schleppt, 8500 Kilometer zwischen Marokko und dem Polarkreis in 17 Tagen erledigt, dann hat er die Kraft eines Bären.

Und was die Maschine aushielt.

Allerdings: ohne Viergang-Getriebe wäre die Fahrt vielleicht anders verlaufen. Bei der enormen Belastung brauchte man den ersten Gang oft genug- zur Winterzeit ist das auf diesen Strecken keine Schande. Aber wie zog der Motor auch durch! Und mit 95 über Betonstraßen fegen, mit unserem Lastwagen, war auch nicht ohne!...
Straßenlage: blendend! Auf leidlich guter Straße läßt sich das Gespann ohne weiteres mit einer Hand fahren.
In Marokko haben wir an einer Brückenfahrt einen Sprung von drei bis vier Metern gemacht. Wir sind auf Bahnübergänge geknallt, daß wir fürchteten: jetzt hat´s Bruch gegeben..! Fällt dem Rahmen gar nicht ein- Rahmen und Gabel sind geschmiedet, die vertragen schon was.
Zubehör und Ausrüstung- TipTop. 23 Stunden wurden insgesamt bei Nacht gefahren- die Fenag- Zündlichtanlage und der Fenag- Scheinwerfer  erlaubten den gleichen Durchschnitt wie am Tag. Und bei den seltenen Gelegenheiten, wo wir die Werkzeugtasche aufmachten, konnten wir feststellen, das kein Schlüssel vergessen war, und das sie alle richtig passten.
Und was den Seitenwagen angeht: Wenn man vier Wochen in einem solchen Gefährt verbringt, ohne Störung des körperlichen und seelischem Gleichgewichts- dann muß die Federung schon prima sein.

Die „Verlustliste“

Hier ist die Aufzählung der Defekte von IA-21 auf der 8500 Kilometer langen Gewaltfahrt:
Ein Kotflügelbolzen ist durch Überlastung des Gepäckträgers mit Koffern und Ersatzrad gerissen- der Ersatz kostete 15 Pfennige.
Ein Kettenglied gab nach 5000 Kilometern nach und musste ersetzt werden, der Vorsicht halber legten wir die Reservekette auf.
In Jokkmokk wurde der Bruch einer Sattelfeder konstatiert: das ist alles.
Der Gesamtaufenthalt zur Beseitigung dieser Schäden dauerte etwa 30 Minuten (zwischen Berlin und Marokko und dem Polarkreis...!)- der Kostenaufwand, um die Maschine fahrtechnisch  wieder „fabrik-neu“ zu machen, dürfte gegen 6 bis 7 Mark betragen.
Ist das nicht fabelhaft...?    


Auszug aus dem Prospekt mit Beschreibung des Stoye Zündapp Gespanns, bemerkenswert dabei ist das der auf diesem Bild gezeigte Stoye Seitenwagen schon das neuere Stoye Modell ab Mitte 1931 mit tieferem Fahrgestell und fünfeckiger Sport Karosserie zeigt.


   





































Hier der Zeitungsartikel aus der Zeitschrift das Motorrad vom 21.03.1931 mit Titel
" Von Marokko zum Polarkreis in 17 Tagen"

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Julius von Krohn

- Zündapp Vertreter für Berlin und Brandenburg
- Zündapp Werksfahrer
- Diverse Lanstreckenfahrten und Dauertests mit Zündapp Krafträdern mit und ohne Stoye Seitenwagen
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Ich suche alle Informationen Fotos Prospekte zu Julius von Krohn ! 
Wenn ich genug Material zusammenbekomme würde ich gern ein Buch über Julius von Krohn zusammenstellen und in unserem Stoye Fahrzeugbau Verlag herausgeben.

Danke im voraus für eure Hilfe.


Kontakt direkt apollodreizehn@aol.com


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STOYE_ZÜNDAPP_SEITENWAGEN





Wir liefern nach wie vor komplett anschlußfertige Stoye Sport Seitenwagen der Baureihe 1931- 33 Rechts- und Linksseitig sowie Karosserien und Ersatzteile für Stoye Sport Seitenwagen. 
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Bei Fragen zu Zündapp Stoye Seitenwagen oder Ersatzteilen bitte direkt an:

apollodreizehn@aol.com oder www.stoye-fahrzeugbau.de.
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Stoye_Sidecar

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